Religion

Die Schöpfung des Lebens und der Völker

In jenen frühen Tagen, als die Welt noch jung und leer war, erhob sich einmal über dem Meer ein großer Sturm. Blitze zuckten feurig hernieder, wilde, freie Magie durchmischte sich mit dem durch den Wind aufgewühlten Wogen des Meeres und in tosender Brandung brachen sich die Wellen an den Felsen des Landes.
So vereinten sich alle fünf Elemente der Natur in einem einzigen Spektakel.
Und dort, wo das Meer gegen die Klippen brandete, entstieg aus der Gischt des Wassers ein wunderschönes Weib. Ihr Name war Ontaril, und geboren aus den Elementen war sie dazu bestimmt, die Mutter allen Lebens auf Erden zu werden.

Ontaril wandelte über die Welt und sah, dass diese sehr schön war. Aber sie war auch leer und wüst. Und so erschuf Ontaril die Pflanzen und Tiere des Waldes und des Feldes, sie füllte den Himmel mit Vögeln und die Wasser mit Fischen. Und die Welt war noch viel wundervoller und lebendig geworden.

Ontaril wandelte weiter durch die Welt. Aber wenn auch die Welt nun erfüllt war mit vielfältigem Leben, so gab es doch niemanden so wie sie selbst. Und so erhob sich in Ontarils Brust das Gefühl der Einsamkeit und der Sehnsucht.
Eines nachts ruhte Ontaril im Schatten eines großen Baumes am Waldrand. Und in ihrem Schlaf träumte sie von vier Wesen, die ihr ähnlich waren, aber doch nicht genau wie sie. Und so sehr ersehnte sie deren Gesellschaft, dass am nächsten Morgen, als sie die Augen aufschlug, ihre Träume wahr geworden waren. Vier Jünglinge standen vor ihr, alle jung, stark und lebendig. Und Ontaril liebte die Vier und nannte sie Calion, Feredir, Umakqal und Lomeanor.

Und so durchstreiften sie, die man heute als die Hohen Götter kennt, zusammen die Welt und Alles war gut.

Eines Tages jedoch, als Ontaril ruhte, kamen die Vier zusammen und sprachen, sie wollten ein Spiel spielen. Ein jeder von ihnen sollte ein Wesen erschaffen, ihnen selber ähnlich. Und sie wollten das Beste der Wesen wählen und ihm von ihrer Macht geben.
Und so nahm Calion vom Lehm der Erde, formte eine Gestalt und brannte sie. Dann hauchte er seiner Figur Leben ein, und vor ihm stand der erste Mensch.
Feredir aber nahm einen starken Ast, der von einem Baum gefallen war und schnitzte daraus sein Ebenbild. Und er gab ihm Leben ein und es erhob sich der erste Elf.
Umakqal betrat eine tiefe Höhle in einem Berg. Dort sammelte er vom Erz aus den Tiefen, schmolz es in den Feuern eines Vulkans und schmiedete auf einem steinernen Amboß eine eherne Statue. Und als er ihr Leben gab, entstand der erste Ork.
Lomeanor schlussendlich überlegte lange, woraus er sein Wesen machen sollte. Während er nach der rechten Idee sinnte, verlief sich Lomeanor im Gestrüpp des Waldes, wo ihm die Dornen der Rosen die Haut aufschnitten. Doch statt seine Gedankenlosigkeit zu verfluchen, nahm Lomeanor einen blutbenetzen Dorn und formte mit seiner Magie daraus eine Gestalt, gab ihr Leben und erschuf so den ersten Dornenelfen.
So kam es, dass die Vier die Ersten der Völker schufen.  Und da sie so taten, sind sie seit dieser Zeit bekannt als die Väter der Völker.

Als die Vier mit ihren Geschöpfen zusammen trafen, wollten sie wählen, welches der neuen Völker das Beste sei und mit ihnen die Welt beherrschen sollte. Aber alle der Vier liebten ihre Schöpfung und fanden sie der der anderen Drei überlegen, und so konnten sie sich nicht auf ein Urteil einigen.
So kamen sie überein, dass sie noch ein wenig überlegen wollten, ehe sie das Urteil fällten. Sie wollten sich trennen und sich am Ende der Zeiten in den Tagen der langen Dunkelheit erneut treffen. Dann sollte entschieden werden, welches der Völker den anderen überlegen sei und der alleinige Herr der Welt sein sollte.
Bis dahin aber wollten sie jeweils dreien ihrer Wesen von ihrer Macht geben und sie zu Herren machen über ihre Völker.

Und so trennten sich die Vier voneinander und jeder zog an einen anderen Ort, um nachzudenken und seine Wahl zu treffen. Vorher aber erschufen sie alle noch zwei ihrer Wesen und gaben ihnen von ihrer Macht, auf dass ihre drei Erben herrschten über die Völker während die Väter nachdenken würden.

Und so zog Calion mit den Menschen in die weiten Ebenen des Landes, Feredir führte seine Elfen in die tiefen Wälder und Umakqal die Orks in die himmelstürmenden Gebirge. Lomeanor aber ließ seine Dornenelfen an den Gestaden der Flüsse und des Meeres wohnen.
Und die Väter verfielen in tiefes Nachdenken und sannen über ihre Wahl nach, und ihre Erben herrschten über die Völker. Und so ist es bis auf den heutigen Tag.

Als aber Ontaril erwachte und bemerkte, dass sie wieder allein war, da weinte die Mutter allen Lebens heiße, bittere Tränen. Und wo diese Tränen auf den Erdboden trafen, erhoben sich drei Geschöpfe. So entstanden die ersten der Waldwesen, die das Volk der Mutter sind.
Und Ontaril zog sich zurück, um zu trauern, ihre Erben aber herrschen über die Wesen des Waldes und des Zwielichtes bis heute.

Und so herrschen die Erben bis zum heutigen Tage über die Völker ihrer Väter. Und die Völker kennen nur ihre Herrscher und die Hohen Götter, nicht aber die Erben der anderen. Und so wird es bleiben, bis sich am Ende der Zeiten die Väter der Völker treffen sollen, ihre Wahl zu verkünden und das eine Volk auszuwählen, das die Welt beherrschen soll und bis Ontaril aus ihrer Trauer erwacht und sich allen Völkern zeigen wird.